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Archive for the ‘Zuzug & Wegzug’ Category

so verringern Sie Ihre Stromrechnung

Dass das Leben in Spanien nicht viel kostet, ist lange vorbei.  Sprit ist fast so teuer wie zu Hause und auch Strom und Wasser sind nicht mehr für ein paar Euro zu haben. Für Hausbesitzer werden die Nebenkosten ihrer Ferienimmobilien immer mehr zum Thema. In meinem letzten Artikel habe ich die Möglichkeit des Wechsels des Stromtarifes beschrieben. Heute möchte ich Ihnen erklären wie Sie auch ohne Anbieterwechsel und teure Nachrüstungen (natürlich ist sparen aber besser!) Ihre Stromrechnung halbieren können.

Der Stromverbrauch ist immer dann ein Dorn im Auge, wenn es scheinbar keinen Weg (mehr) gibt, ihn zu mindern. Vor allem im Sommer schießen die Rechnungen wegen über Stunden laufender Pumpen (Pool, Brunnen) und Klimaanlagen in die Höhe. Doch diese scheinbar unumgänglichen Kosten zu mindern ist einfach! Auch in Spanien gibt es Tag-, Abend- und Nachtstromtarife. Diese Tarife variieren je nach Zeitpunkt des Verbrauchs und unterscheiden sich, was den Strompreis pro Kilowattstunde angeht, erheblich. Viele Betroffene wissen dies nicht und werfen so ihr Geld zum Fenster raus.

Die zeitabhängigen Stromtarife wurden bereits per Dekret im Jahr 2009 zwangsweise eingeführt und stehen jedem Abnehmer zur Wahl. So können Anschlüsse bis 15kW zwischen bis zu drei Tarifen wählen. Ein Anruf beim Stromversorger ist meist genug um Klarheit zu bekommen. Bei Stromanschlüssen über 15kW sind die Tarife per Gesetz vorgeschrieben. Hier gilt stets der unten stehende Stromtarif inklusive zeitlicher Preisdifferenzierung. Es genügt die heimischen Stromfresser zum richtigen Zeitpunkt automatisch ein- und auszuschalten um so bis zu 55%(!) Rabatt auf die Verbrauchskosten zu erhalten. Eigentlich ganz einfach…

Tarifschritte maximale Dauer
Punta (P1) – teuer 4 h/Tag
Llano (P2) – reduziert 12 h/Tag
Valle (P3) – super reduziert 8 h/Tag

 

Innerhalb Spanien gelten nachfolgendes Tarifregelungen:

Zone Uhrzeit – Winter Uhrzeit – Sommer
Punta
(P1 – teuer)
Llano
(P2 – reduziert)
Valle
(P3 – super reduziert)
Punta
(P1 – teuer)
Llano
(P2 – reduziert)
Valle
(P3 – super reduziert)
Festland 18 – 22 h. 8 – 18 h. & 22 – 24 h. 0 – 8 h. 11 – 15 h. 8 – 11 h. & 15 – 24 h. 0 – 8 h.
Balearen 18 – 22 h. 8 – 18 h. & 22 – 24 h. 0 – 8 h. 18 – 22 h. 8 – 18 h. & 22 – 24 h. 0 – 8 h.
Kanaren 18 – 22 h. 8 – 18 h. & 22 – 24 h. 0 – 8 h. 11 – 15 h. 8 – 11 h. & 15 – 24h. 0 – 8 h.
Ceuta und Melilla 19 – 23 h. 0 – 1 h.   &   9 – 19 h
23 – 24 h.
1 – 9 h. 11 – 15 h. 9 – 11 h. & 15 – 24 h.
0 – 1 h.
1 – 9 h.

Matthias Jahnel, LL.M. · Rechtsanwalt & Abogado
C/Can Arboç, n° 1 – bajos · 07002 Palma de Mallorca
Email: info@lexjahnel.com · Web: http://www.lexjahnel.de

zahlen Sie zuviel für Ihre Energie?

Sie haben eine Immobilie gekauft oder Langzeit gemietet und wundern sich stets über die hohen Stromkosten in Spanien? Wenn dies so ist, dann sollten Sie einmal Ihre Stromabrechnung genauer ansehen. Es kann sein, das Sie den teuren „TUR – Tarif“ zahlen.

Bereits vor Jahren hat Spanien auf Druck der EU seinen Strommarkt privaten Anbietern geöffnet. Seit dieser Zeit gibt es grundlegend zwei Tarifmodelle:

1. die von der Regierung festgesetzten Strompreise, den sogenannten TUR (Tarifa de Ultimo Recurso), und
2. die auf dem Markt frei zugänglichen Stromtarife.

Bei Öffnung des Marktes wurden zunächst alle bestehenden Stromlieferverträge in den TUR Tarif übernommen. Man hatte gehofft, dass sich die Abnehmer schnell ihren eigenen Stromanbieter suchen würden und vom TUR Tarif in den freien Markt wechseln würden. Wie üblich interessierten sich jedoch viele Spanier nicht für die neue Freiheit und ignorierten oder misstrauten schlicht dem Angebot zum Wechsel zum freien Anbieter. Auch der Werbekampf der Stromgiganten um die potentiellen Kunden verpuffte wirkungslos.

So blieb Nichts anderes übrig, als den verunsicherten Stromkunden durch die Regierung per Dekret zu ihrem Glück zu verhelfen. Alle diejenigen die einen Stromanschluss über 10KW hatten, zahlten nach einer Übergangszeit einen 20% Zuschlag auf ihre Stromverbrauch, wenn sie nicht freiwillig zu einem privaten Anbieter gewechselt hatten. Zwingen, einen bestehenden Vertrag zu kündigen, konnte man ja schließlich niemanden. Bei einem entsprechenden Verbrauch (Klimaanlage warm / kalt) war das Verweilen unter dem regulierten TUR Tarif der Regierung nun jedoch zu teuer.

Erneut wurde nach der Zwangsverordnung zum Anbieterwechsel eine Werbekampagne losgetreten, die vielerorts bei den ausländischen Immobilienbesitzern nicht ankam. Zumeist waren sie schlicht nicht erreichbar oder verstanden die auf (natürlich) Mallorquin gedruckten Flyer im Postkasten einfach nicht.

Vor ein paar Tagen wurde ich durch einen Mandaten wieder einmal auf die hohen Stromkosten für seine Immobilie angesprochen. Ein Blick auf die Stromrechnung offenbarte, dass er immer noch den TUR Tarif nebst 20% Zuschlag zahlte. Ein kurzer Anruf beim Stromanbieter genügte um ihm diese unnötigen Kosten abzunehmen. So wurden nicht nur der 20% Zuschlag erlassen, sondern auch ein Rabatt von 10% auf den Stromverbrauch bis Mai 2014 und nochmalige 20% auf den Stromverbrauch zwischen Mai 2014 und Mai 2015 eingeräumt. Die Stromrechnung fällt nun also um satte 40%(!). Dem Markt sei Dank.

Es kann sich also lohnen seinen Stromtarif zu prüfen. Sollten Sie nicht sicher sein ob Sie den Zuschlag zahlen beachten Sie bitte das nächste Bild zur Erklärung:

.Energierechnung

Zweifler behaupten immer gerne, dass der festgelegte „TUR Tarif“ der Regierung eine Sicherheit für die Verbraucher darstellt, da dieser ja „reguliert“ sei. Leider wird aber gerne vergessen, dass die Regierung die Tarife in den letzten Jahren pro Jahr um mehr als 20% nach oben geschraubt hat. Sicher ist also nur eins: die Preise werden unter dem TUR (reguliert) weiter steigen.

Matthias Jahnel, LL.M. · Rechtsanwalt & Abogado
C/Can Arboç, n° 1 – bajos · 07002 Palma de Mallorca
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01.01.2013 – Steuern beim Kauf von Neubauimmobilien gestiegen & neue Grunderwerbssteuern auf den Balearen

Wie bereits angekündigt haben die Balearen ab dem 01.01.2013 verschiedene Steuerarten erhöht bzw. eingeführt. In Sachen Immobilienerwerb wurden die Grunderwerbssteuern und Stempelsteuern beträchtlich angehoben. Der reduzierte Satz von 7% GeSt für Immobilien bis 300.000,00 EUR wurde abgeschafft.  Die stufenweise Anhebung der Steuern je nach Wert der Immobilien wurde neu geordnet. Im Schnitt erhöhten sich damit die Steuern beim Kauf einer gebrauchten Immobilie im Wert von 500.000,00 EUR von 37.000,00 EUR im Jahr 2012 auf nunmehr 41.000,00 EUR. Bei Immobilien im Wert von 1.000.000,00 EUR stiegen die Steuerkosten von 85.000,00 EUR auf nunmehr 90.000,00 EUR. Dies ist ein Zuwachs von 11,1% bzw 10,6%.

Auch der Erwerb von Parkplätzen verteuerte sich erheblich. Einzelheiten siehe unten.

In Sachen Stempelsteuer (Hypothekensteuern) gab es einen Anstieg von immerhin 20%.

Die Balearen haben die Vermögenssteuer wieder eingeführt. Es existiert ein Freibetrag von 700.000,00 EUR.

Bei Neubauten haben sich die Steuern mehr als verdoppelt. Der super reduzierte Mehrwertsteuersatz von 4% für den Erwerb von Neubauimmobilien wurde durch den reduzierten Satz von 10% ersetzt. Daneben ist 1,2% Stempelsteuer ab dem 01.01.2013 zahlbar. Damit erhöhen sich die Steuern beim Kauf eines Neubaus von einem Bauträger im Wert von 500.000,00 EUR von 25.000,00 EUR im Jahr 2012 auf nunmehr 56.000,00 EUR. Bei Immobilien im Wert von 1.000.000,00 EUR stiegen die Steuerkosten von 50.000,00 EUR auf nunmehr 112.000,00 EUR. Dies ist ein Zuwachs bei den Kosten von satten 124%!

Die Steuersätze in Immobiliensachen gliedern sich nunmehr wie folgt:

Grunderwerbssteuer (GeSt) ab 01.01.2013 auf den Balearen:
Immobilien bis 400.000,00 EUR  = 8% GeSt
Immobilien von 400.000,01 EUR bis 600.000,00 EUR = 9% GeSt
Immobilien von 600.000,01 EUR = 10% GeSt

Parkplätze / Garagen / Stellplätze bis 30.000,00 EUR = 8% GeSt
Parkplätze / Garagen / Stellplätze ab 30.000,01 EUR = 9% GeSt

Stempelsteuer ab 01.01.2013:
Die Stempelsteuer stieg von 1% in 2012 auf nunmehr 1,2% ab dem 01.01.2013.

Mehrwertsteuer ab 01.01.2013:
Neubauten pauschal: 10% MwSt (IVA) + 1,2% Stempelsteuer
Grundstücke pauschal: 21% MwSt (IVA) + 1,2% Stempelsteuer

Matthias Jahnel, LL.M. · Rechtsanwalt & Abogado
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Sparen bis die Schwarte kracht!

Eigentümer und Mieter einer Immobilie in Spanien können ein Lied davon singen. Alles wird teurer. Allem voran die Energiepreise. Die Gas- und Stromrechnungen verteuerten sich in den letzten drei Jahren im Schnitt um 15% pro Jahr. Für 2013 ist eine Erhöhung von bis zu 37% im Gespräch um das erhebliche Defizit zwischen Herstellungskosten und Abnahmepreis zu beseitigen. Im spanischen Haushalt klafft ein (Subventions-) Loch von mehr als 30Mrd Euro. Dies übrigens weil sich vor Jahren die konservative Partei Spaniens (PP!) Wählerstimmen durch niedrige Energiepreise im sozialistischen Stil sichern wollte. So legte der Staat über Jahre niedrige Abgabepreise für Strom uund Gas fest und zahlte den Herstellern die Differenz. Maßnahmen zur effizienten Nutzung von Energie sind so in Spanien unbekannt geblieben. Der Plan der billigen Resourcen wird nun von den Kindern und Enkeln der Urheber dieses Desasters gezahlt.

Zusätzlich steigen die Mehrwertsteuer und gemeindlichen Abgaben. Den Rest erledigen neue Umweltabgaben in den Autonomien.

Es verwundert daher nicht, dass ich in Beratungsgesprächen zu Immobilienkäufen immer öfter auch nach konkurrenzfähigen Alternativangeboten in Sachen laufender Kosten des Haushaltes gefragt werde. Leider hat die Idee  Preissuchmaschinen im Internet anzubieten in  Spanein noch keinen Einzug gehalten. Es ist daher schwer, wirklich eine präzise Auskunft zu geben. Gegebenenfalls wäre dies eine neue Geschäftsidee für findige Programmierer / Webdesigner.

Zur Zeit existieren die mir bekannten nachfolgenden Webseiten. Diese werden regelmäßig gewartet und stellen einen recht guten Service dar:

Sollten Sie mehr (verlässliche) Preissuchmaschinen kennen, bin ich gerne bereit diese in die Liste aufzunehmen. Also melden Sie sich bitte!

Matthias Jahnel, LL.M. · Rechtsanwalt & Abogado
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Es knackt im Gebälk

Die Zahlen sind ebenso beeindruckend wie Angst einflössend. Spanische Banken und Sparkassen sitzen Ende 2012 auf geschätzten 180 Mrd EUR fauler Kredite. Dies sind 52 Mrd EUR mehr als letztes Jahr. Die Großzahl stammt aus der hausgemachten Immobilienblase die 2008 platzte. Um zu retten was zu retten war, hat Spanien seine Banken in den letzten vier Jahren Stück für Stück reformiert. Unrentable regionale Sparkassen wurden zu überregional arbeitenden Banken zusammengeschlossen. Unmengen an Steuergeldern sind in das System gepumpt worden. Trotz der Geldschwemme nicht mehr zu rettende Finanzinstitute wurden durch den Staat übernommen, zerstückelt und verkauft.  So auch die viertgrößte spanische Bank mit mehr als 10 Millionen Kunden und einem Loch in der Bilanz von mehr als 27 Mrd Euro.

Das große Problem Spaniens blieb dennoch. Durch nur zaghafte und scheibchenweise verordnete Reformen haben es die Banken bis heute nicht für erforderlich erachtet, ihre Immobilienbestände ernsthaft zu vermindern. Anstatt die Preise nach unten zu schrauben, Immobilien zu verkaufen und Verluste hinzunehmen, wurde versucht, mit 100% Finanzierungen Häuser und Wohnungen wieder an den Mann oder die Frau zu bringen. Und das zu teilweise horrend hohen Preisen. Der erwartete Erfolg der Verkaufsaktionen blieb aus. Die Banken sitzen seit Jahren auf ihren Beständen mit ungewissem Wert. Mehr und mehr Banken werden so an den Rand des Ruins gedrückt. Der Staat musste zumeist in letzter Sekunde einspringen um das Schlimmste zu verhindern.  Investoren versagen wegen den unbekannten Risiken im Bankensektor ihre Unterstüztung nun auch dem spanischen Staat.

Weil dies so ist hat sich Spanien nun zum bekannten Modell der „Bad Bank“ entschieden und versucht sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen. Und zwar ohne weitere Steuergelder zu verpulfern! Privatinvestoren die Spanien meiden wie der Teufel das Weihwasser sollen es nämlich richten.

Das Gerangel um die gut dotierten Chefposten bei der „Bad Bank“ hat bereits begonnen. Die Gesetze für ein möglichst steuerfreies Investmentvehikel wurden geschaffen.

Die privaten Investoren werden mit Renditeversprechen von 10-15% gelockt um die Bad Bank, die Gehälter der Chefetagen und auch die zukünftigen Abfindungen des Managements, nach dem Scheitern des Vorhabens,  zu finanzieren. Natürlich sollen sie auch die Verluste der Aktion tragen, aber davon sprechen wir lieber -zunächst- nicht.

Damit der Plan auch aufgeht werden die Immobilien den Banken für einen Spottpreis entrissen. Zunächst ist es natürlich interessant zu hören, dass die Immobilien mit Abschlägen von 50% bis zu 79% der Buchwerte von der Bad Bank aufgesogen werden sollen. Bereits zu Beginn des Festes werden fast 89.000 Immobilien aus den verstaatlichten Banken in die Bad Bank übernommen. Später sollen auch die gesunden spanischen Banken gezwungen werden, ihre Immobilienbestände an diese Bad Bank zu übertragen.

Man könnte erwarten, dass die Preise im Immobiliensektor nun ernsthaft purzeln. Makler und Bauträger schlagen bereits Alarm. Sie werden nicht müde zu betonen, dass die „Bad Bank“ keinen Einfluss auf die spanischen Immobilienpreise haben wird. Hiermit könnten sie zunächst auch Recht behalten. Wie nunmehr in der Presse bekannt wird, haben findige Politiker einen klugen Plan entworfen, die Bad Bank zur Goldgrube zu machen. Spanien wäre eben nicht Spanien wenn es nicht seinen eigenen Weg gehen würde.

Um sich nicht mit Kleinkram herumschlagen zu müssen, werden nicht alle Immobilien der Bad Bank zufallen. Nur Immobilien die einen Wert über 100.000 EUR haben und nicht verstreut auf dem Land sind, werden in die Bad Bank eingegliedert. Der Schrott soll also bleiben wo er ist.

Nachdem dann die Kronjuwelen in fähigen Händen gut verdienender Experten ruhen, werden diese dann schnell verkauft. Jedoch bei Weitem nicht mit den erwarteten Abschlägen. Wartende Käufer müssen sich wieder darauf einstellen, mit horrenden Preisforderungen konfrontiert zu werden. Schliesslich darf der Bad Bank – Investor nicht gleich zu Beginn der Aktion verschreckt werden.

Auch Vergünstigungen bei der Geldvergabe zum Kauf der Immobilien wird es bei der Bad Bank nicht geben. Klar ist bereits, dass die Bad Bank Immobilienkredite nicht vergibt. Hierfür werden dann wieder die Privatbanken zuständig sein. Also genau die Institute sollen die verstaatlichen Immobilien zu „marktüblichen Konditionen“ finanzieren, die gerade vom Staat enteignet wurden, selbst keine Liquidität besitzen, auf den ihnen verbliebenen Schrottimmobilien hocken und deren Ressourcen gerade reichen, um eigene Probleme zu bewältigen.

Nach 15 Jaren soll dann alles vergoldet sein. Dies zur Idee…

Vergeben Sie mir meinen Pessimismus: Aber ein solch’ grandioser Plan muss zum Scheitern verurteilt sein. Auf wie viele hundert Milliarden Euro europäischer Steuergelder wetten wir?

Matthias Jahnel, LL.M. · Rechtsanwalt & Abogado
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Neues Vertragsverletzungsverfahren der EU gegen Spanien eingeleitet

Spanien braucht Geld. Darum versucht das Land zur Zeit alles, um Steuereinnahme zu erhöhen. Gerne greift es dabei auf die Vorschläge der EU zurück. Schöner Nebeneffekt für spanische Politiker ist dabei auch, dass sich die Wut der Bevölkerung auf die Herren in Brüssel lenken lässt. Nun droht ausgerechnet von dort neues Ungemach. Die EU warnte Spanien unlängst vor einem Vertragsverletzungsverfahren, sollte es eine bestimmte Steuerpraxis nicht ändern. Hierbei geht es wieder einmal um die Ungleichbehandlung von Residenten und Nichtresidenten in Sachen Besteuerung. Kein neues Thema für Spanien.

Doch worum handelt es sich genau? Kauft ein Residenter in Spanien eine Immobilie und macht diese zu seinem Erstwohnsitz, kann er oder sie unter bestimmten Bedingungen beim Verkauf mit Gewinn eine Steuerbefreiung erlangen. Dies immer dann, wenn der Verkaufserlös in einen neuen Hauptwohnsitz in Spanien re-investiert wird. Von dieser Steuerbefreiung kann ein Nichtresidenter keinen Gebrauch machen. Er ist hiervon kategorisch ausgeschlossen. Das heißt im Klartext, dass der nichtresidente Immobilieninvestor voll besteuert wird, auch wenn er den Verkaufserlös umgehend in eine neue Spanienimmobilie steckt.

Diese Ungleichbehandlung liegt nun der EU Kommission auf dem Tisch. Spanien wurde aufgefordert Stellung zu dieser Praxis zu nehmen.

Das gleiche Schicksal ereilte Spanien bereits mit der Ungleichbehandlung von Nichtresidenten in bezug auf die Steuersätze beim Verkauf von Immobilien und auch bei der Besteuerung in Erbschaftssachen. Das Thema Steuersätze beim Verkauf, bis 2006 wurden Nichtresidente mit 35% und Residente mit 15% besteuert, wurden bereits gelöst. Spanien ruderte seinerzeit zurück und legte einen einheitlichen Steuersatz für alle Investoren fest. Heute und nach vielen Gesetzesmodifikationen zahlen Nichtresidente sogar weniger Steuern beim Verkauf als Residente. Diese Entwicklung hatte übrigens zur Folge, dass durch EU Bürger massenhaft Verfahren gegen den spanischen Fiskus eingeleitet wurden, um die noch nicht verjährten und überhöht gezahlten Steuern vom spanischen Staat zurück zu erlangen.

In Sachen Erbschaftssteuern steht ebenso fest, dass Spanien im Streit mit der EU unterliegen wird. Auch hier sitzen Anwälte bereits in den Startlöchern um wohl zigtausend Verfahren auf Rückerstattung gegen Spanien loszutreten.

Stellt sich nach den langwierigen Verfahren letztendlich heraus, dass die spanische Steuergesetzgebung auch bei der Steuerbefreiung für Immobilienreinvestitionen nicht EU konform ist, könnte dies teuer werden.

Zur Zeit verteitigt sich Spanien in dem es vorgibt, dass die Steuerbefreiung nur für den Hauptwohnsitz gilt. Dieser, so das Argument, würde aber bei Ausländern gerade nicht in Spanien liegen. Hier handele es sich lediglich um Ferienwohnungen, also um Zweitwohnsitze. Auch Spanier können für Zweitwohnsitze  die Steuerbefreiung nicht erlangen. Damit läge eine Ungleichbehandlung nicht vor. Leider wird hierbei vergessen, dass es innerhalb der EU und zwischen den Staaten keine Erst- und Zweitwohnsitzregelung gibt. Diese existieren nur innerhalb der Mitgliedsstaaten selbst. (Man kann einen Erst- und Zweitwohnsitz in Deutschland oder Spanien haben. Es ist jedoch nicht möglich den Erstwohnsitz in Deutschland und den Zweitwohnsitz in Spanien zu erklären. Die EU ist eben [noch] kein föderatives Gebilde.)

Sollte Spanien dazu verurteilt werden, die Ferienimmobilie eines ausländischen Investoren an Spaniens Küste wie einen Erstwohnsitz zu behandeln, kämen dann, neben der Steuerbefreiung bei Reinvestitionen, sicherlich weitere Forderungen auf Spanien nach Steuererleichterungen zu. So sind „spanische Erstwohnsitze“ auch bis zu einem erheblichen Maß steuerbefreit, wenn es um die jährliche Vermögens- und Einkommenssteuer oder um den Verkauf  der Immobilie durch über 65 jährige geht. Auch hier bluten Ausländer im Verhältnis zu Inländern noch kräftig und das, meines Erachtens, vollkommen unberechtigt und EU gesetzeswidrig.

 

Matthias Jahnel, LL.M. · Rechtsanwalt & Abogado
C/Can Arboç, n° 1 – bajos · 07002 Palma de Mallorca
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Mehrwertsteuer

Im Zuge der Reform des spanischen Steuerwesens auf Druck der EU und des IWF, wurden trotz heftiger Proteste der Bevölkerung die Anhebung der Mehrwertsteuersätze in Spanien nunmehr beschlossen. Damit bricht die PP auch eines ihren großen Wahlkampfversprechen, diese Steuer unangetastet zu lassen. Bekannt ist, dass ab dem 01.09.2012 die Mehrwertsteuer von 8% auf 10% und von 18% auf 21% angehoben wird. Leider stecken aber die lang gehüteten Geheimnisse um die Steuererhöhung im Detail. Neben der Anhebung der Mehrwertsteuersätze hat die Regierung auch die Liste der Produkte, die dem verminderten Sätzen von 4% und 8% (10%) unterliegen, neu geordnet. So steigt die Mehrwertsteuer für manche Produkte und Dienstleistungen von jetzt 4% auf (satte) 21%.

Ab September wird dann auch für Nichtresidente der Einkaufskorb teurer. Ein paar Beispiele sind:

4% Mehrwertsteuersatz werden nur noch erhoben auf:

Milch, Brot, Eier, Getreide, Gemüse, Früchte, Bücher, Bilderalben, Musiknoten, Straßenkarten, Bilderrahmen und Zeitungen.

Ab dem 01.01.2013 steigt von 4% auf 10% MwSt:

Kauf einer neuen Wohnimmobilie, oder die Miete mit Kaufoption, der Neubau von Wohnimmobilien.

Ab dem 01.09.2012 steigen von 4% auf 21% MwSt:

Schulmaterial, außer die Produkte die explizit unter die 4% MwSt fallenden. Lernen auf Mallorca wird also teuer.

Ab dem 01.09.2012 steigen von 8% auf 10% MwSt:

Transport, sonstige Lebensmittel (außer die oben aufgeführten Grundnahrungsmittel), Brillen, Hotel- & Restaurantbesuche, Renovierungs- und Sanierungsarbeiten an Wohnimmobilien durch Privatpersonen, wobei die Eigenleistung 40% nicht übersteigen darf und die Arbeiten nach zwei Jahren abgeschlossen sein müssen. Der verminderte MwSt Satz für Renovierungs- und Sanierungsarbeiten läuft zudem gemäß Real Decreto-ley 6/2010 am 31.12.2012 aus. Somit wären dann ab dem 01.01.2013 eine MwSt von 21% auf diese Arbeiten zu zahlen.

Ab dem 01.09.2012 steigen von 8% auf 21%:

Eintrittskarten (zu Attraktionen, Museum, Theater, Disco, Kino, Festivals, Sportveranstaltungen, etc), Blumen, Pflanzen, Samen, Digitalfernsehen, Beerdigungen, Friseur, Kunstgegenstände, Zahnersatz, Kuren, etc.

und zu guter Letzt steigen von 18% auf 21% MwSt unter anderem:

alle weiteren nicht gesondert aufgeführten Produkte und Diensteistungen. Darunter fallen auch Ihre Anwalts-, Strom-, Gas- und Telefonrechnungen.

 Matthias Jahnel, LL.M. · Rechtsanwalt & Abogado
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Kategorien:Kurznachrichten, Steuern
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